URBAN MINING BÜRGEWALD

Im Kontext der fortschreitenden Ressourcenverknappung und der klimapolitischen Anforderungen an den Bausektor verstehen wir den Ort Bürgewald als ein materielles Lager mit bislang unerschlossenem Potenzial. Im Rahmen einer intensiven Vor-Ort-Analyse haben wir eine systematische Materialkartierung durchgeführt, die den Bestand nicht als Abfallkategorie, sondern als urbane Mine interpretiert.

Ziel dieser Untersuchung war es, die im Bestand gebundenen Stoffströme quantitativ und qualitativ zu erfassen und deren Transformationsfähigkeit im Sinne zirkulärer Wertschöpfung zu evaluieren.

Collage der Materialien vor Ort
Fundstuecke aus der Kirche St Lambertus in Bürgewald

Methodik der Materialkartierung

Unsere Vorgehensweise basiert auf einer typologischen und stofflichen Differenzierung der vorhandenen Bauteile. Dabei wurden Konstruktionen hinsichtlich ihrer Trennbarkeit, Schadstofffreiheit und Wiederverwendungspotenziale analysiert.

Im Fokus standen insbesondere:

  • mineralische Baustoffe wie Ziegel und Beton hinsichtlich ihrer Re-Use-Fähigkeit
  • Holzbauteile im Spannungsfeld zwischen direkter Wiederverwendung und kaskadischer Nutzung
  • metallische Elemente als sortenreine Sekundärrohstoffe mit hoher Recyclingeffizienz

Diese differenzierte Betrachtung ermöglicht es, den Bestand als dynamisches Materiallager zu begreifen, dessen Wert sich erst im Prozess der Dekonstruktion vollständig entfaltet.

Zirkuläres Bauen als Entwurfsparadigma

Zirkuläres Bauen verstehen wir nicht als additive Nachhaltigkeitsstrategie, sondern als grundlegende Neuausrichtung architektonischer Entwurfslogik. Im Zentrum steht die Überführung linearer Stoffströme in geschlossene Materialkreisläufe.

Entscheidend sind dabei folgende Prinzipien:

  • Design for Disassembly als konstruktive Voraussetzung für sortenreine Rückbaubarkeit
  • Materialökologie im Sinne schadstofffreier und reversible gefügter Systeme
  • Priorisierung von Re-Use gegenüber Downcycling und energetischer Verwertung
  • Etablierung von Materialpässen zur langfristigen Dokumentation und Zirkulation von Ressourcen

Diese Prinzipien fordern eine integrative Planungskultur, die Architektur, Materialwissenschaft und Rückbauprozesse zusammenführt.

Transformation als Ressourcenkultur

Die in Bürgewald erhobenen Daten zeigen, dass der Bestand ein erhebliches Maß an grauer Energie sowie kultureller und materieller Intelligenz speichert. Eine tabula-rasa-Strategie würde diese Potenziale irreversibel vernichten.

Wir begreifen die Transformation daher als kulturelle Praxis, die vorhandene Strukturen nicht nur erhält, sondern aktiv in neue Nutzungsszenarien überführt. Bürgewald fungiert in diesem Sinne als Reallabor für eine Architektur, die Ressourcen nicht konsumiert, sondern zirkuliert.

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