„TU!“ WAS
Zwischen Ruine und Aufbruch: STUDIO-MRA gestaltet die erste Station auf der Zukunftsroute der Tu Hambach in Bürgewald.

Ein Ort zwischen Verlust und Zukunft
Der Beitrag „VI AR“ von STUDIO-MRA setzt bei der Frage an, wie sich Zukunft nicht nur denken, sondern sinnlich erfahren lässt. Digitale Bilder werden in eine räumlich-analoge Erfahrung übersetzt. Über Blick-Trichter können Besucherinnen und Besucher gezielt in mögliche Zukünfte des Ortes schauen.
Das St. Lambertus Forum in Bürgewald ist ein Ort, der Geschichte, Verlust und Zukunft gleichermaßen in sich trägt. Die ehemalige Kirche wurde 2019 entweiht, nachdem das Dorf dem Tagebau Hambach weichen sollte, und brannte 2023 bis auf die Umfassungsmauern ab. Dennoch wurde das Gelände im Sommer 2026 wieder zum Treffpunkt – als erste Station der Zukunftsroute Bürgewald im Rahmen der tu! Hambach, gestaltet von STUDIO-MRA.

Bürgewald als „Ort der Zukunft“
Bürgewald, früher Morschenich-Alt, liegt im Rheinischen Braunkohlerevier und war lange vom Verschwinden bedroht. Umsiedlungen und Leerstand prägten das Ortsbild. Mit dem vorgezogenen Kohleausstieg änderte sich die Perspektive grundlegend: Der Tagebau wird verkleinert, das Dorf bleibt erhalten und wird nun als eines von sechs „Orten der Zukunft“ weiterentwickelt. Zurück bleibt ein vielschichtiger Ort, geprägt von Erinnerung, Transformation und neuen Chancen – ein idealer Kontext für zirkuläre und partizipative Architektur.

Die tu! Hambach als Reallabor
Die tu! Hambach begleitet diesen Wandel seit 2023 als kollaboratives Format aus Workshops, Exkursionen und Ausstellungen. Akteure aus Wissenschaft, Planung und Zivilgesellschaft arbeiten hier gemeinsam an konkreten Zukunftsfragen. 2026 wurde Bürgewald im Rahmen einer „Zukunftsroute“ als begehbares Reallabor inszeniert: Stationen wie die e.Mo-Zentrale, eine Biokläranlage oder Konzepte für biobasiertes Wirtschaften zeigen, wie Klimaanpassung, Kreislaufwirtschaft und neue Mobilität praktisch umgesetzt werden können.
STUDIO-MRA am St. Lambertus Forum
Den Auftakt bildete das St. Lambertus Forum. STUDIO-MRA entwickelte hierfür eine interaktive Station und führte gemeinsam mit Partnern aus Forschung und Planung über das Gelände. Grundlage ist ein Wettbewerbsgewinn aus dem Jahr 2025: Zusammen mit Lohrberg Stadtlandschaftsarchitektur plant das Büro die Transformation des rund 5.400 Quadratmeter großen Areals mit Kirchenruine, Pfarrhaus und Nebengebäuden. Ziel ist ein gemeinwohlorientierter Ort – Versammlungsstätte, Werkstatt und sozialer Treffpunkt zugleich.
Architektur als gemeinsamer Prozess
Anstelle einer klassischen Präsentation setzte STUDIO-MRA auf Dialog. Der Rundgang machte das Areal als offenen Denk- und Aushandlungsraum erfahrbar und stellte die Frage, welche Rolle dieser Ort künftig für die Dorfgemeinschaft spielen kann.

Zirkuläres Bauen in der Praxis
Das Projekt zeigt exemplarisch, was zirkuläre und partizipative Architektur leisten kann: Bestehende Strukturen werden nicht beseitigt, sondern als materielle und kulturelle Ressource weitergedacht. Die Ruine bleibt Teil der Zukunft, und Planung wird zum gemeinsamen Prozess. Bürgewald wird so zu einem zentralen Transformationslabor im Rheinischen Revier – und das St. Lambertus Forum zu einem Ort, an dem sich zeigt, wie Architektur gesellschaftliche Verantwortung übernehmen kann.