Symbol für den Wandel
Die Aachener Zeitung berichtet über STUDIO-MRA und den 1.Preis zur Kirche St. Lambertus in Bürgewald (Rheinisches Revier, NRW)
„Der Gewinner des Architektenwettbewerbs zur Neugestaltung der Alten Kirche im Umsiedlungsdorf steht fest. Ministerin spricht von Symbolcharakter. Die Bilder der Schreckensnacht sind vielen noch sehr präsent: Eine lichterloh brennende Kirche, über der wie ein Stern eine Drohne der Feuerwehr schwebte, um Glutnester auszumachen. So erinnert es auch der Bürgermeister der Gemeinde Merzenich, Georg Gelhausen (CDU), der vor zwei Jahren zum in Flammen stehenden ehemaligen Gotteshaus in Bürgewald gerufen worden war. Von den Morschenichern habe es gleich geheißen: „Das nehmen wir nicht hin, die bauen wir wieder auf.“ Zum zweiten Mal, nach dem Zweiten Weltkrieg. Nun kommen die ehemaligen Bewohner des Umsiedlungsortes diesem Ziel einen Schritt näher.
Symbolcharakter
Ina Scharrenbach, NRW-Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung, Prof. Christa Reicher vom Institut für Städtebau und europäische Urbanistik an der RWTH Aachen und Georg Gelhausen haben offiziell den Sieger des Architektenwettbewerbs zur Neugestaltung der ehemaligen St.-Lambertus-Kirche in Bürgewald gewürdigt. Rund 120 Bewerber hatte es gegeben, 15 schafften es in die engere Auswahl, am Ende fiel ein einstimmiges Votum.

Innovativ und ökologisch nachhaltig sollte der Entwurf sein und vor allem: einen Beitrag zur Gemeinschaftsbildung leisten, erklärte Reicher im Ratssaal des Merzenicher Rathauses. Erfüllt sah die Jury dies vor allem bei Studio-MRA, Stuttgart. Ein „sehr sensibles Umgehen mit dem Bestand“ anstelle eines radikalen Überplanens des Gebäudes, prozessuales Weiterbauen und die Vernetzung mit der Umgebung hätten hier überzeugt, erläuterte Reicher. Der erste Preis in der Landschaftsarchitektur wird verliehen an Lohrberg Stadtlandschaftsarchitektur, Stuttgart. Zweiter Preis Architektur: Wandel Lorch Götze Wach GmbH, Frankfurt. Zweiter Preis Landschaftsarchitektur: Topotek 1 GmbH, Berlin. Dritter Preis Architektur: Thomas Hammer Architekten, München. Dritter Preis Landschaftsarchitektur: Stadt Raum Planung, München.
Begegnung
Gelhausen hatte bereits im Vorfeld gesagt, er freue sich sehr über das „wichtige Aufbruchsignal an diesem Ort für die Menschen“. Die Siegerentwürfe zeigten, wie historische Bausubstanz mit innovativer Architektur verbunden werden kann. „Die Kirche wird künftig Raum für Veranstaltungen, Begegnung und neue Nutzungen bieten – eingebettet in eine dynamische Dorfentwicklung. Ich freue mich darauf, dass diese Vision nun Realität wird.“ Im Jahr 2019 war St. Lambertus entwidmet worden.
Die Bagger bleiben fern, das Herz bleibt hier – zusammen gestalten wir das Rheinische Revier.
Ina Scharrenbach
NRW-Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung
Auch Ministerin Scharrenbach sprach von einem Symbol für den Wandel. Das Gebäude werde zum Herzstück des neuen Zukunftsdorfes. Sie gratulierte allen Preisträgerinnen und Preisträgern. „Die Bagger bleiben fern, das Herz bleibt hier – zusammen gestalten wir das Rheinische Revier“, sagte sie vorab.
Der Besuch der Ministerin erfolgte im Zusammenhang mit dem sogenannten Zukunftstag im Mittelpunkt des Strukturwandels im Rheinischen Revier. Sie besuchte drei Stationen der sechs ehemaligen Braunkohledörfer Keyenberg, Kuckum, Oberwestrich, Unterwestrich, Berverath und Bürgewald (ehemals Alt-Morschenich). Dabei überbrachte sie auch einen Förderbescheid in Höhe von 14,3 Millionen Euro für die städtebauliche Erneuerung der Erkelenzer Dörfer, als zwei zentrale Schritte für den Strukturwandel im Rheinischen Revier.
Im Juni 2024 hatte die Gemeinde Merzenich einen Förderbescheid in Höhe von rund 56 Millionen Euro vom Land NRW erhalten. Die erste Bewilligung umfasst neben den Kosten für den Grunderwerb (40,3 Millionen Euro) aus dem Eigentum der RWE Power AG auch den gesamten Planungsprozess zur Qualifizierung der Ortsentwicklung.