Aachener Zeitung:
2022 soll die Zukunft des Zincoli-Geländes beginnen

Noch deutet nichts darauf hin, das auf dem Zincoli-Gelände in Münsterbusch ein neues Gewerbegebiet entstehen wird. Doch das soll sich bald ändern, die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren.

Von Michael Grobusch, Redakteur

„Es läuft“, sagt Tobias Röhm und lässt sich nicht davon beirren, dass dem Außenstehenden das Laufen bis dato verborgen bleibt. Im Gegenteil: „Die unterschiedlichen Planungen für die Erschließung des Zincoli-Geländes werden parallel vorangetrieben und von uns nun in den  kommenden Wochen und Monaten zusammengeführt“, erläutert der Erste und Technische Beigeordnete der Stadt Stolberg im Gespräch mit unserer Zeitung erwartungsfroh.

Gut 20 Jahre nachdem das Unternehmen „Röhr & Stolberg“ als letzter Nutzer das Areal in Münsterbusch verlassen und die Betriebsbauten niedergerissen hat, soll in unmittelbarer Nachbarschaft zum Industriemuseum Zinkhütter Hof und des Dienstleistungszentrums (DLZ) etwas Neues entstehen: der „Gewerbepark Zincoli-Gelände.“ Der Name wirkt wenig spektakulär, das Projekt als solches soll es aber durchaus sein, meint Patrick Haas (SPD). „Das ist ein Filetstück“, gibt der Bürgermeister zu bedenken und ergänzt: „Wir haben im Stadtgebiet kaum noch Gewerbeflächen. Deshalb müssen wir uns gut überlegen, welchen Unternehmen wir am Ende den Zuschlag erteilen.“

Rund 300.000 Quadratmeter werden zur Verfügung stehen, wenn die Industriebrache denn erst mal saniert und in Absprache mit der Städteregion Aachen von Altlasten befreit ist. Das ist eine von mehreren Aufgaben, die die Stadt als Eigentümerin und Vermarkterin zu lösen hat. Die erforderliche Änderung des Bebauungsplans soll es bis spätestens Ende 2020 geben. Ein erster Schritt in diese Richtung wird nach dem Willen der Verwaltung im September der politische Beschluss zur frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit sein. Die Gespräche mit Unternehmen werden voraussichtlich einige Monate später aufgenommen. „Es gibt bereits jede Menge Interessensbekundungen. Das liegt auch daran, dass das Camp Astrid mittlerweile fast ausgebucht ist“, berichtet Patrick Haas.

Planung wird extern vergeben

Die städtebauliche und technische Planung wird derweil extern vergeben. Der Auftrag, so hat es die Politik kurz vor den Sommerferien in den nicht öffentlichen Sitzungen der zuständigen Fachausschüsse entschieden, geht an das STUDIO-MRA. Das Architekturbüro aus dem baden-württembergischen Ostfildern war Anfang des Jahres als Sieger aus dem vorgeschalteten Planungswettbewerb der Stadt Stolberg hervorgegangen und kann auf seinem  Entwurf, der viel Zustimmung erntete, nun weiter aufbauen.

Bis Ende des Jahres soll eine Entwurfsplanung festgelegt werden, in der die architektonische Gestaltung des Geländes konkretisiert wird. Noch als Auftrag zu vergeben ist die Erschließungsplanung, was nach Aussage von Tobias Röhm  ebenfalls bis zur Jahreswende geschehen soll. Dabei geht es in erster Linie um den Straßen- und Kanalbau, der Voraussetzung für eine Bebauung und Nutzung des Geländes sein wird. Lesen Sie auch

Neun bis zehn Gebäude, so ist der aktuelle Stand, könnten zwischen Mauer- und Cockerillstraße entstehen. Bauherren werden, so sieht es das gewählte Verfahren vor, die Firmen sein, die mit der Stadt zuvor ins Geschäft gekommen sind und ein Grundstück auf dem Areal erworben haben. „Wir bauen keine Gebäude, sondern treten nur als Vermarkter auf und setzen mit dem Bebauungsplan den gestalterischen Rahmen“, betont Tobias Röhm. Wer diesen letztlich nutzen darf, soll mit Hilfe einer Bewertungsmatrix entschieden werden. „Die Zahl der Arbeitsplätze, die geschaffen werden, aber auch deren Qualität wird sicherlich eine Rolle bei der Auswahl spielen“, nennt Patrick Haas bereits erste Kriterien.

Wenn am Ende des Jahres die Entwurfsplanung stehen wird, kommt auch wieder der 80 Meter hohe Schornstein ins Spiel, der das Zincoli-Gelände und im Grunde die gesamte Stadt überragt. Er soll saniert und inszeniert werden. Gut 600.000 Euro würde das in der Summe kosten. Die Stadt hofft, dass das Land NRW einen Großteil der Finanzierung übernehmen wird. Ein entsprechender Antrag für Mittel aus dem Programm „Heimat, Zukunft, Nordrhein-Westfalen“ wird laut Tobias Röhm eingereicht, sobald die Entwurfsplanung abgeschlossen ist.

Freilichtbühne und „Historicum“

Dann dürften sich auch die Ideen für eine weitere Gestaltung des Außengeländes am Zinkhütter Hof allmählich konkretisieren. Das gilt für die angestrebte Freilichtbühne ebenso wie für das „Historicum“ in und an der Museumsvilla, in dem das Stadtarchiv eine neue Heimat finden soll. Wobei das zweite Vorhaben wohl eher noch etwas weiter von der Umsetzung entfernt ist. Nach den Sommerferien, so kündigt es der Beigeordnete an, soll die hierzu mit Beteiligung der Politik gegründete Lenkungsgruppe ein erstes Mal zusammenkommen.

Insgesamt, da ist Patrick Haas sicher, gehe es um mehr als „nur“ ein neues Gewerbegebiet. „Das ist ein wichtiger Baustein unserer Stadtentwicklung“, verweist der Bürgermeister darauf, dass Arbeitsplätze geschaffen und zugleich der Stadtteil Münsterbusch aufgewertet werden soll.

2023 könnte beides zumindest in ersten Ansätzen zum Tragen kommen. Die Zeit, in der man als Außenstehender nicht erkennt, dass es läuft, wäre damit vorbei.

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