Aachener Zeitung berichtet über die Kirche in Bürgewald

Wie STUDIO-MRA die Alte Kirche von Bürgewald neu denkt – Ein zirkuläres Modell für soziale, räumliche und ökologische Zukunftsfähigkeit

Mit einem einstimmigen Juryvotum hat STUDIO-MRA gemeinsam mit dem Büro Lohrberg Stadtlandschaft aus Stuttgart den ersten Platz im Wettbewerb zur Umgestaltung der Alten Kirche von Bürgewald gewonnen. Aus insgesamt 120 Einreichungen überzeugte das Konzept durch einen konsequent holistischen Ansatz, der architektonische Transformation, soziale Teilhabe und landschaftliche Entwicklung zu einem zukunftsfähigen Gesamtraum verbindet.

Aachener Zeitung berichtet
So sehen Gewinner aus: Prof. Dr.-Ing. Frank Lohrberg, Prof. Manuel Rausch, Zosine Seybold und Sara Köhle. Foto: Verena Müller

Der Kern des Entwurfs folgt einem Grundprinzip, das Prof. Manuel Rausch immer wieder betont:

„Man darf nicht an den Mauern aufhören zu denken.“ – Prof. Manuel Rausch

Die Transformation der ehemaligen Kirche St. Lambertus versteht sich daher nicht als rein bauliche Aufgabe, sondern als räumliche, soziale und kulturelle Neuausrichtung eines ganzen Dorfzentrums.

Rausch ergänzt:

„Wenn wir Menschen dazu bewegen wollen, nachhaltig zu bauen, müssen wir ihnen die Möglichkeit geben, gute Beispiele anzuschauen und anzufassen.“

Genau das soll Bürgewald erhalten: ein sichtbares, erlebbares Modell für klimabewusstes, ressourcenschonendes und zirkuläres Bauen, das weit über den Ort hinausstrahlt.

Ein neuer Ort der Begegnung – offen, einladend und vernetzt

Die Kirche war in ihrer Geschichte stets ein Ort der Gemeinschaft – und soll es wieder werden, jedoch vielseitiger und niederschwelliger. Der Entwurf setzt deshalb auf eine deutliche Öffnung:

  • Ein neues einladendes Entree schafft Sichtbarkeit und Schwellenfreiheit.
  • Die Glocke wird vom Turm auf die Stufen vor dem Eingang versetzt – ein starkes Zeichen für Zugänglichkeit und Identifikation.
  • Ein begrüntes Dach verschränkt das Gebäude mit der Landschaft und verbessert Mikroklima, Regenwasserrückhalt und Biodiversität.
  • Ein Pavillon ergänzt die Bestandsstruktur und ermöglicht flexible Nutzungsszenarien.

Im Innenraum werden unterschiedliche Bauphasen sichtbar belassen, instandgesetzt und durch leichte, reversible Eingriffe ergänzt. Der ehemals sakrale Raum wird transparent, hell und offen für Versammlungen, Kultur und gemeinschaftliche Aktivitäten.

  • Neue räumliche Typologien: Versammlungsort, Werkhof und Dorfgarten
  • Der Entwurf gliedert das Ensemble in drei funktionale Bereiche, die sich gegenseitig stärken:
  • Versammlungsort – die transformierte Kirche als sozialer und kultureller Mittelpunkt.
  • Werkhof mit produktiver Nutzung – Raum für Reparaturkultur, Handwerk und lokale Wertschöpfung.
  • Dorfgarten – gemeinschaftlich gepflegt, ökologisch wirksam und identitätsstiftend.

Ein besonderes Element entsteht im ehemaligen Gemeindezentrum hinter der Kirche:
Die Dorfküche – ein warmes Herz für gemeinsames Kochen, Lernen und Begegnen – genau in der Mitte des neuen Ortes.

Ein Prozess, kein fertiges Bild – das Konzept des Offenen

Da die zukünftigen Bewohner Bürgewalds zum Zeitpunkt des Wettbewerbs noch nicht feststanden, stellte die Entwicklung eine besondere Herausforderung dar. Für Prof. Rausch ist dies jedoch Chance und Aufgabe zugleich:

„Unser Schwerpunkt ist die holistische Betrachtung. Wir beginnen immer von außen, beobachten das Umfeld und denken aus der Perspektive der Menschen, die diesen Ort einmal beleben werden.“

Der Entwurf schafft daher bewusst Räume, die sich prozesshaft entwickeln dürfen und die Mitgestaltung zukünftiger Bewohner anregen.

Ein Modellprojekt für nachhaltige Ortsentwicklung

Die Transformation von St. Lambertus in Bürgewald zeigt exemplarisch, wie zirkuläres Bauen, soziale Teilhabe, regionale Baukultur und landschaftliche Resilienz zusammenwirken können. Das Projekt macht sichtbar:

  • wie historische Bausubstanz ressourcenschonend weitergenutzt wird,
  • wie neue Nutzungen flexible Raumprogramme ermöglichen,
  • wie Architektur und Landschaft ineinandergreifen,
  • wie ein Dorfzentrum nicht gebaut, sondern gemeinsam entwickelt wird.

Mit der Neugestaltung entsteht ein zukunftsfähiger Ort, der exemplarisch zeigt, wie Dörfer in Zeiten des Strukturwandels neu gedacht werden können – gemeinsam, nachhaltig und identitätsstiftend.

Stadtlandschaftsarchitekt Prof. Frank Lohrberg betont ergänzend das Potenzial des Unfertigen:
Offene Räume, flexible Angebote und temporär brachliegende Flächen können als „Lockstoff“ wirken – sie laden ein, sich einzubringen und Verantwortung zu übernehmen.

Quelle: https://www.aachener-zeitung.de/lokales/region-dueren/merzenich/wie-die-gewinner-aus-stuttgart-die-alte-kirche-in-buergewald-neu-denken/104081666.html

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